Ionisierende Strahlung


Seit der Entdeckung von Wilhelm Conrad Röntgen macht man sich die Eigenschaft der ionisierenden Strahlung Materie zu durchdringen auf vielseitige Weise zu Nutzen.

Im technischen und wissenschaftlichen Bereich werden umschlossene radioaktive Stoffe (Strahler) häufig zur Qualitätssicherung, Füllstands-, Dichte-, Dicken- und Feuchtemessung eingesetzt. Offene radioaktive Stoffe werden z. B. zur Markierung von Stoffen verwendet, um damit Rückschlüsse auf deren Verhalten zu ziehen, beispielsweise der Aufnahme und Verteilung von Substanzen in Pflanzen.

Im medizinischen Bereich werden in der Diagnostik unter anderem radioaktiv markierte Substanzen appliziert, um aus der Verteilung im Körper und in bestimmten Organen Rückschlüsse auf Erkrankungen ziehen zu können. In der medizinischen Therapie wird beispielsweise energiereicher Strahlung auf einen Tumorbereich ausgerichtet, um so durch deren Wirkung bösartige Zellen zum Absterben zu bringen. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist auch die Behandlung von chronisch entzündlichen Gelenken.

Röntgengeräte werden in der Technik und Wissenschaft meist zur Qualitätssicherung bzw. zu Forschungszwecken und in der Medizin zur Diagnostik eingesetzt.

Zum Schutz vor schädlichen Einwirkungen ionisierender Strahlen wurde 1959 das Atomgesetz erlassen. Das Atomgesetz ist die Grundlage für die Strahlenschutz- und Röntgenverordnung. Mit den Neufassungen dieser Verordnungen 2001 und 2002 wurden mehrere EURATOM-Richtlinien in Deutsches Recht umgesetzt und die Verordnungen so weit wie möglich angeglichen.

In den Strahlenschutzgrundsätzen und -grundpflichten ist festgelegt, dass

  • neue Arten und Tätigkeiten unter Abwägung ihres wirtschaftlichen, sozialen oder sonstigen Nutzens gegenüber möglichen Beeinträchtigungen gerechtfertigt sein müssen und bei bestehenden Tätigkeiten die Rechtfertigung überprüft werden kann,
  • medizinische Strahlenexposition einen hinreichenden Nutzen erbringen muss gegenüber der möglicherweise verursachten Schädigung des Einzelnen,
  • jede unnötige Strahlenexposition zu vermeiden ist und bei der Anwendung diese unter Beachtung des Standes von Wissenschaft und Technik so gering wie möglich zu halten.

Auf diesen Grundsätzen „Rechtfertigung“ und „so gering wie möglich“ ist die Strahlenschutz- und Röntgenverordnung aufgebaut. Durch die Verpflichtung „unter Beachtung des Standes von Wissenschaft und Technik“ wird sichergestellt, dass der Umgang mit radioaktiven Stoffen und der Betrieb von Röntgenanlagen weiter entwickelt wird.


Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd